Schmale Strassen – Durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald

Während sich in Deutschland die Krankenhausmanager wegen der geringen Auslastung graue Haare wachsen lassen, während 70jährige Mitbürger wieder zum Friseur gehen, während in den Fußgängerzonen wieder das Leben herrscht….währenddessen kann man auch in Coronazeiten ohne schlechtes Gewissen wieder das Motorrad starten.

Heute bilden Kurvensehnsucht und Freizeit eine glückselige Allianz. Perfekt für eine Nachmittagstour!

Zwischen Stuttgart und Schwäbisch Hall befindet sich ein Motorradrevier, das zwar nicht durch hohe Berge, aber viele schmale Straßen, winzige Dörfchen und so manche Serpentine interessant für den motorradfahrenden Landeshauptstädter wird: Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Serpentinen im Weinberg

Schnell verlasse ich den feinstaubbeladenen Stadtverkehr Stuttgarts in nordöstlicher Richtung. Die ersten Kilometer erlaube ich mir noch die Nutzung der vierspurigen Bundesstrasse. Doch schon nach 20 Minuten befinde ich mich am Ausgangspunkt meiner eigentlichen Nachmittagstour. Rund um Weinstadt finden sich die ersten schönen Kurven, die durch die Weinberge führen. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm an diesem schönen Frühlingstag. Ich geniesse die sanften Kehren und schönen Aussichten. In Winterbach tanke ich mein Motorrad noch einmal voll und bunkere noch ein Vesper für Unterwegs, bevor ich die Sonnenbergstrasse nach Rohrbronn hochfahre.

Ich will heute schmale Straßen entdecken. Ausgewiesene regionale Motorradfahrertreffs wie die Löwensteiner Platte oder den Kiosk am Ebnisee meide ich auch zu Nicht-Coronazeiten. Mit steht heute der Sinn eher danach, auch die normalen Bundesstraßen zu meiden. Die Wege, die ich befahre, sind oftmal nicht breiter als 2,5m. Hier ist weniger mehr. Viele fahrerische und landschaftliche Sahnestücke sind zu finden.

Doch auch Wirtschaft und Geschichte lassen sich entdecken!

In Rudersberg komme ich am Stammsitz eines der „Hidden Champion“ Unternehmen vorbei: WERU (ein Akronym für Willy Eppensteiner, Rudersberg) ist eines der führenden Unternehmen für Fenster und Türen in Deutschland.

Zwischen Öhringen im Norden und dem Haghof bei Welzheim verläuft eine kerzengerade Grenzlinie durch den heutigen Schwäbischen Wald: Diese Grenze, auf der die Römer einen tiefen Graben und einen Wall anlegten und schließlich um eine hohe Palisade aus solidem Eichenholz ergänzten, kennen wir heute als Limes. Mehrfach quere ich die Deutsche Limes-Straße, eine der erfolgreichsten Ferienstraßen Deutschlands. An der Strecke finden sich zahlreiche kulturhistorisch interessante Stationen der römischen Geschichte wie rekonstruierte Türme, Kastelle, konservierte Grundmauern von Kastell- und Badeanlagen und zahlreiche Museen in denen historische Funde zu sehen sind.

Hier wurde der Asphalt vergessen

Mein Weg führt mich durch kleinste Dörfchen, oft nicht größer als eine Ansiedlung mit 2 oder drei Häusern, von denen etliche den Berg oder Bach im Namen tragen: Mannenberg, Lutzenberg, Frankenberg, Fichtenberg, Mettelbach, Fornsbach, Miedelsbach…. Doch sind es genau jene Wege, die diese Weiler miteinander verbinden, die ich so gerne befahre. Hier erreicht man keine hohen Geschwindigkeiten, schon 70 km/h können hier schon (zu) schnell sein. Manche dieser Verbindungen sind so wenig befahren, dass man nicht für nötig hielt, sie zu asphaltieren. Kein Problem für mich, mein fliegender Teppich ist geländegängig!

An der Hangkante am Wald oberhalb von Sanzenbach stand früher ein Turm, der der Kontrolle des Grenzverkehrs an der Haller Landhege diente. Heute befindet sich hier der neue Landturm Kelterbuckel. Hier packe ich mein mitgebrachtes Vesper aus. Nach einer kurzen Stärkung mit Aussicht geht es nun wieder südwärts.

Ich komme durch den Wald vorbei am derzeit geschlossenen Schwabenpark, einem Vergnügungspark mit Achterbahn, Attraktionen & Shows für Kinder, einem Streichelzoo & einem Restaurant. Erst Ende Mai wird der Park wieder eröffnet. Nur einige Kilometer weiter, am Aichstruterstausee scheint es heute schon so, als würde keine Pandemie stattfinden: Die Menschen sonnen sich, sitzen am Ufer, dümpeln auf aufblasbaren Gummitieren auf dem See herum.

Die schwäbische Waldbahn, eine der steilsten und schönsten Bahnstrecken Baden-Württembergs, die von Schorndorf über Rudersberg nach Welzheim verkehrt, fährt derzeit auch nicht. Ich unterquere dennoch die eindrucksvollen Viadukte der Strecke, als ich durch die Wieslaufschlucht fahre. In normalen Zeiten würde über meinem Kopf vielleicht jetzt eine Dampflokomotive tuckern.

Wo geht’s lang?

Ich nähere mich wieder dem Ballungsraum Stuttgart. Hier in Schorndorf im Remstal kam vor 186 Jahren Gottlieb Daimler zur Welt. Und hier in der Region entwickelte er den ersten schnelllaufenden Bezinmotor, das erste vierrädrige Auto, sowie das erste Motorrad, den sogenannten Reitwagen. Ich verlasse die leeren, schmalen Strassen und fahre auf meinem bayerischen Reitwagen auf der Schnellstraße wieder in Kesselrichtung. Schade, der Nachmittag ging vorbei wie im Fluge. 200km habe ich heute nachmittag zurückgelegt. Das werde ich bald mal wieder machen!

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Veröffentlicht von golem1303

Born to Ride - Forced to Work

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