Kiwis auf Rädern

28. Dezember 2019:
Es geht los: Wir haben unsere Taschen gepackt und sind unterwegs auf die andere Seite des Erdenballs, die auf Landkarten komischerweise nicht auf der Rückseite, sondern ganz rechts unten eingezeichnet ist. Doch bevor es in den Flieger Richtung Christchurch / Neuseeland geht, fahren wir erstmal mit der Bahn zum Flughafen in Frankfurt.

Zweimal je ungefähr 12 Stunden Flug, nur unterbrochen von einem kurzen Beine vertreten in Singapore, vergehen wie im Flug. Als wir am Montag Mittag in Christchurch ankommen, machen wir uns erstmal auf zu einem Bummel durch die von Erdbeben gebeutelte Stadt, die sich immer wieder tapfer neu erfindet. Auffallend viele junge Leute sind unterwegs – und viele von denen sprechen deutsch.

New Regent Street, Christchurch

31.12.2019:
Der Tag vergeht im Zeichen der Übernahme des Wohnmobils. Da zunächst noch eine neue Windschutzscheibe eingesetzt werden muss, verzögert sich die Übernahme bis in den Nachmittag. Wir nutzen die Wartezeit und gehen einkaufen, danach essen wir im empfehlenswerten Little India zu Mittag.

Den Jahreswechsel werden wir am Meer in Akaroa einläuten. M. lenkt die Fuhre sicher über die Summit Road dorthin.

1.1.2020:
Das neue Jahr beginnt mit erholsamem Schlaf. Das war wohl nötig nach dem Jahr! Später bewundern wir die Aussichten von der Summit Road, und fahren weiter Richtung Süden.

Kaffeepause mit Aussicht auf der Summit Road

Wir müssen uns erstmal an das Leben im Wohnmobil gewöhnen. Das wird uns allerdings auf dem Campingplatz, den wir für die Nacht beziehen, etwas erschwert. Das Kind unserer Nachbarn ist ziemlich quengelig und lässt sein Unwohlsein lautstark vernehmen. Das mag am Regen liegen, der auf die Zelte und Wohnmobile einklopft. Und wenn morgens der erste Weg im Regen zu wenig einladenden Sanitäranlagen führt, ist das nicht unbedingt ein perfekter Start in den Tag. Also nichts wie los, weiter Richtung Süden!

2.1.2020:
Der weitere Weg entlang der Küste hat einige schöne Motive am Start.

Am Strand von Moeraki liegen etwa 50 Steinbälle auf dem Strand, die größten mit einem Durchmesser von etwa 2m. Nach Legenden ortsansässiger Maori sind die Boulders Reste von Aalkörben, Flaschenkürbissen und Süßkartoffeln, die von dem Wrack des legendären Kanus an die Küste gespült wurden. Nach diesen Legenden sind die Klippen, die sich vom ins Meer erstrecken, der versteinerte Rest des Bootskörpers und ein nahe gelegener Felsvorsprung der Körper des Kapitäns.

Die moderne Wissenschaft hat eine weniger schöne, aber doch plausible Erklärung für die erstaunlichen Gebilde parat: Die Kugeln werden von den Wellen aus der Böschung gespült, in der sie seit langem schon lagerten. Sie entstanden vor einigen Millionen Jahren durch einen Prozess namens „Konkretion“, den man im Kleinen von Perlen kennt.

Moeraki Boulders

Unsere Mittagspause verbringen wir auf einem Rastplatz direkt am Meer, Top Aussicht und Top Parkplatz. So wird ein Camper-Schuh draus!

In Dunedin finden wir die laut Guinness Buch Of Records steilste Straße der Welt. Die Straße entbehrt zwar nicht einer gewissen Steilheit, jedoch bringt sie es lediglich auf eine Steigung von 38%. Doch wir wissen, dass es in Nendaz/Schweiz eine Straße mit 50% Steigung gibt.

Baldwin Street, Dunedin

Wir übernachten auf einem schönen Campingplatz in Portobello. Es ist so schön, wie der Name verspricht.

3.1.2020:
Douglas Adams und Mark Cawardine hatten uns in ihrem Buch „Die Letzten Ihrer Art“ schon vor Jahren auf ihre Reise zu den letzten Exemplaren aussterbender Tierarten mitgenommen. Die beiden fanden beispielsweise in Neuseeland die „größten, fettesten und flugunfähigsten Papageien der Welt“ (Adams).

Auch wir wollen wir uns heute die letzten Exemplare einer aussterbenden Art ansehen: Gelbaugenpinguine. Es gibt schätzungsweise weltweit noch etwa 1500 von ihnen. Im „Penguin Place“ nahe Dunedin hat man ihnen ein Habitat eingerichtet. Menschen können aber in die Nähe der Tiere gelangen, da die Eigentümer des Habitats Gänge angelegt haben, durch die man läuft. Und tatsächlich gibt es ganze 3 Tiere zu sehen. Fast noch interessanter als die Tiere sind die Besucher der Einrichtung, sie kommen aus aller Herren Länder. Bis hierhin haben sie es geschafft – allerdings schaffen sie es kaum, sich wie vom Tourguide erbeten bei den Tieren ruhig zu verhalten. Die Bucht, die den Pinguinen und Seelöwen vorbehalten ist, ist allerdings ein Augenschmaus.

Gelbaugenpinguin

Am Nachmittag besuchen wir Dunedin. Die Hauptattraktion der Stadt ist definitiv die Dunedin Railway Station. Der im Stil der flämischen Renaissance errichtete Bahnhof ist wirklich sehenswert. Und der Bahnsteig ist mit 450m Länge einer der längsten des Landes.

Wir sehen uns noch ein Wenig in Dunedin um und fahren dann weiter Richtung Süden. Wir übernachten in Owaka am Catlins Lake. Hier entdecken wir zum Glück ein weiteres Feature unseres Wohnmobils: Die Heizung.

4.1.2020:
Noch ein gutes Feature des Wohnmobils: Die Aussicht aus dem Essbereich, wenn man gut geparkt hat. Am Skeleton Point Lookout https://goo.gl/maps/RupdfupSpp7rrgAR8 sitzen wir warm und trocken, während rund um uns die Urgewalten unser Boot ins Wanken bringen.

Am Skeleton Point Lookout

Wer am Slope Point kein Boot hat, der kann von hier aus nur nach Norden. Wir sind am südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands angekommen. Eine 10minütige Wanderung über eine Weide zum legendären Schild am Ende der Weide erfrischt uns, während der Wind versucht, uns umzuwerfen. Unten peitscht die See gegen die Klippen. Diese ragen zwar gute 20 bis 30 Meter aus dem Meer empor, dennoch fliegt die Gischt bis hier hinauf. Hier sind wir dem Südpol näher als dem Äquator.

Slope Point

Der Film bis hierher:


5.1.2020:
Als wir in Riverton in Richtung Manapouri aufbrechen, ist es kühl und sehr stürmisch. Einzig die Surfer erfreuen sich an diesem Wetter. Aber der Wind bringt unser Boot schon ziemlich stark ins Schwanken, als wir entlang der sturmumtosten Küste Richtung Westen fahren. Wir entdecken wunderschöne Strände mit einem Wellengang, der nur hartgesottene Zeitgenossen zum Baden gehen einlädt.

McCrackens Rest

Bei Clifden führt eine alte hölzerne Hängebrücke über den Waiua River. Dieser muss einstmals ein gewaltiger Fluss gewesen sein. Heute ist er gezähmt durch die etwa 60km entfernte Staumauer am Lake Manapouri, wo die elektrische Energie für die Aluminiumproduktion in Invercargill erzeugt wird. Das Kraftwerk am Lake Manapouri werden wir am Dienstag sehen, wenn wir die Bootstour zum Doubtful Sound machen.

Clifden Suspension Bridge

Wir nähern uns den Bergen, die uns aus der Ferne verheißungsvoll angrinsen. Die Landschaft ändert sich schnell. Eben noch am stürmischen Strand, schon sind wir am beeindruckenden Berg. Auf dem Lakeview Campground in Te Anau beziehen wir Position für zwei Nächte. Wäsche waschen, Füße hochlegen, Buch lesen, Regenpause abwarten, Stullen für morgen einkaufen…so vergeht der Tag.

Lake Te Anau

7.1.2020:
„The Sound Of Silence“, so nennen ihn nur einige, die Meisten kennen ihn unter dem Namen „Doubtful Sound“. Er erhielt seinen Namen im Jahr 1770 von dem britischen Seefahrer und Entdecker Kapitän James Cook, nachdem dieser unsicher war, ob man in dem Gewässer sicher ankern kann. Wir müssen zeitig aufstehen, um rechtzeitig die Tour anzutreten. Der Fjord ist etwas abgelegen, man kann das grandiose Naturschauspiel im Grunde nur wie ein Pauschaltourist erleben. Immerhin haben wir die erste Tour am Morgen gebucht, wenn noch nicht ganz so viel los ist. Erst geht es mit dem Katamaran über den Lake Manapouri, dort steigen wir in einen Bus um, der uns auf der teuersten Straße Neuseelands (2 Dollar pro Zentimeter) über den Wilmot Pass zum Doubtful Sound bringt. Dort besteigen wir einen anderen Katamaran und fahren durch den engen Fjord bis ans Meer. Wir sind hier in einer der regenreichsten Gegenden der Erde: Die heiße Luft aus dem 2000km entfernten Australien hat sich auf dem Weg über die Tasmanische See mit Feuchtigkeit aufgeladen. Hier an den steilen, bis zu 1000m aufragenden Felstürmen entladen sich die schweren Wolken. Das Ergebnis ist eine einmalige Vegetation in einer geradezu märchenhaften Landschaft. Wenn man wetterfest angezogen ist und sich manche Mitreisende wegdenkt, kann man die Fahrt richtig genießen.

Doubtful Sound

8.1.2020:
Es nervt schon ein bisschen: auf jedem Campingplatz muss man um 10 Uhr das Feld räumen. Das ist auch hier in Queenstown so. Angesichts der Rüstzeiten im Camper ist das knapp. Es vergeht einige Zeit, bis „Klar Schiff“ gemeldet werden kann. In Ruhe frühstücken und dann in Ruhe losfahren wäre auch schön. Ausschlafen im Urlaub geht anders. Die Alternative besteht darin, immer zwei Nächte auf einem Platz zu bleiben, so hat man wenigstens alle zwei Tage Ruhe. Wenigstens scheint heute die Sonne!

Wir fahren weiter und statten Wanaka einen Besuch ab. Der Ort ist kleiner als Queenstown, dafür gemütlicher und nicht so überlaufen. Außerdem hat man einen guten Blick auf die westlich gelegenen 3000er, besonders den Mt Aspiring. Der Mount Aspiring oder Tititea ist ein Berg in den Neuseeländischen Alpen auf der Südinsel Neuseelands. Mit einer Höhe von 3033 m stellt er die höchste unumstrittene Erhebung auf neuseeländischem Staatsgebiet außerhalb des Aoraki / Mount Cook-Massivs dar. Die Maori-Bezeichnung Tititea bedeutet „Glitzernder Gipfel“.

Doch bevor wir Wanaka erreichen, stoppen wir noch an zwei Klassikern der Entertainmentindustrie: Dem ersten kommerziellen AJ Hackett Bungee-Sprung-Zentrum am Karawau River, und einige Kilometer weiter die Jetboot Bespaßungsanlage am gleichen Fluss. Zusteigen Bitte!


9.1.2020:
Ein schöner und sonniger Tag begrüßt uns heute. Wir haben direkt am Clutha River übernachtet. Der Weg führt uns weiter nordwärts, an den großen Seen vorbei. Hier wohnen wirklich mehr Schafe als Menschen. Und diese Schafe wohnen in einer wirklich schönen Gegend, das kann man so feststellen.

Lake Pukaki / Mt. Cook

In der Ferne können wir die 3000er und 2000er des Aoraki Mount Cook Nationalparks sehen. Die Seen sind wegen der Sedimente im Wasser wunderschön türkis eingefärbt. Das ist ein wunderschönes Fotomotiv, dass sich keiner der Durchreisenden entgehen lassen will.

Wir übernachten in Geraldine auf einem erstklassigen Campingplatz, nicht ohne im örtlichen Diner noch zu Abend zu essen. Dennoch haben wir keine Ahnung, wie der Name des Ortes richtig ausgesprochen wird.

10.1.2020:
Heute haben wir uns eine Bergetappe verordnet. Zunächst fahren wir auf der 72 Inland Scenic Route nach Norden und biegen dann links ab, um über den Arthur’s Pass an die Westküste zu gelangen. Fotostops legen wir an der Rakaia Schlucht und am Castle Hill ein.

Arthur’s Pass

Fröhlich schaukeln wir durch die Serpentinen, bevor wir am späten Nachmittag Greymouth erreichen. Hier beziehen wir am Top Campingplatz am Strand unser Nachtlager.

Beachlife

11.1.2020: Wenn man den Weg zum Cape Foulwind hochläuft, dann riecht man schon, wie das Kap zu seinem Namen gekommen ist. Hier wohnt eine Robbenkolonie, die die gestapelten Felsen als Wohnzimmer und Kinderstube nutzen. Die Kleinen bewegen sich noch anrührend unsicher von Fels zu Fels.

Doch nicht überall in Neuseeland hat die Namensgebung von Orten einen olfaktorischen Hintergrund. Denn sonst müsste es ja bei den Pancake Rocks nach Pfannkuchen riechen; tut es aber nicht. Vielmehr ist es die Form der Felsen, die dem Platz den Namen gab. Die auf die Felsen einstürmende Brandung entwickelt eine Urgewalt, die an den Blowholes wie der Atem des Poseidon aus dem Felsen fährt.

Unterwegs begegnen wir einem Schweizer Radfahrer, der über Papua-Neuguinea und Australien hergefahren ist. Außerdem wissen wir nun, dass ein Weka nicht genau wie ein Kiwi aussieht.

Pancake Rocks

Der Film bis hierher:


12.1.2020:
Wenn im Urlaub das Wetter so ist wie heute, man also vom aufs Dach prasselnden Regen geweckt wird und es so kalt ist, dass man einen Schnupfen bekommt, dann hat man zwar Zeit, im Blog etwas zu schreiben, aber leider überhaupt keine Lust. Sorry!

Gorillas im Regen

13.1.2020:
Die Sonne scheint wieder. Es war eine gute Idee, nach Nelson zu fahren, denn aufgrund der geografischen Lage scheint die Sonne hier häufiger als an der Westküste. Wir verbringen den Tag im Beach Café am Tahunanui Beach. Gratulation: zum Schnupfen gesellt sich nun auch noch ein Sonnenbrand. Am Nachmittag fahren wir nach Picton weiter. Die Scenic Route Queen Charlotte Drive ist die optimale Motorradstrecke. Mit dem Wohnmobil ist sie eher anstrengend zu befahren. Jedoch hält die Strecke einige wunderschöne Aussichten parat. Von einem Punkt sehen wir auch schon das Schiff, das uns morgen nach Wellington auf der Nordinsel bringen wird. Jetzt noch ein hübsches Plätzchen auf dem stadtnah gelegenen Campingplatz ergattern, Wäsche waschen, essen gehen und die Welt gefällt.

Interislander Fähre bei Picton

14.1.2020:
In der Nacht hat es wieder geregnet. Im Wohnmobil ist es kühl, als wir am Morgen aufwachen. Um uns herum sind aber viele Plätze schon geräumt: die hatten wohl die frühe Fähre gebucht. Wir haben zum Glück noch Zeit, so dass wir noch in aller Ruhe in Picton einen guten Kaffee trinken und in der französischen Bäckerei ein Mandelcroissant kaufen können. Dann heißt es: anstellen, um auf die Fähre nach Wellington zu kommen. Wir durchschauen zwar nicht, nach welcher Systematik oder Reihenfolge die Autos an Bord fahren können, aber letztlich kommen alle Autos mit und der Rauchmelder fährt pünktlich los. Die Fahrt führt durch die Cook Straße, die die Nord- von der Südinsel trennt. Pünktlich zum Feierabendcider erreichen wir Wellington. Wir übernachten auf dem Campingplatz etwas außerhalb, der allerdings einen ausbalancierten Stellplatz und ordentliche Sanitäranlagen zu bieten hat. Das ist doch auch was!

Willkommen in Wellington!

15.1.2020:
Wellington. Windy Wellie. All Positively. The coolest little capital in the world.

Enjoying Wellington

16.1.2020:
Gestern Abend Rugby im Pub. Heute das Rugby Museum in Palmerston North. Rugby ist in Neuseeland Volkssport #1. In Deutschland ist dieser schöne Sport leider in Vergessenheit geraten, obwohl Deutschland eine olympische Sibermedaille im Rugby errungen hat, lange bevor die Neuseeländer fast all ihren Wald abgeholzt hatten: Es begab sich im Jahre 1900, bei den olympischen Spielen in Paris. Die Mannschaft des Deutschen Kaiserreichs musste lediglich gegen Frankreich antreten und verlieren, schon war das Edelmetall gesichert. Schließlich waren lediglich 3 Mannschaften überhaupt angetreten. Doch von diesem glorreichen Erfolg ist im Museum leider nichts zu lesen. Oder wir haben es nicht gefunden. Über die All Blacks, die neuseeländische Rugby Nationalmannschaft, ist alles Erdenkliche zu finden, was zu derlei Museen gehört: vom ersten „Ball“ über vielerlei Leibchen, Rugby Mützen sowie die größten Rugbyschuhe der Welt (Größe 20) bis hin zum Spielerpass von Richie McCaw, dem Kapitän der Siegermannschaft vom World Cup 2011.


Der annähernd perfekte Vulkankegel des 2518m hohen Mt Taranaki prägt die Silhouette des westlichen Zipfels der Nordinsel. Von nahezu überall rund um den Egmont National Park hat man einen grandiosen Blick auf diesen vielleicht schönsten Berg Neuseelands. Der Berg ist so pittoresk, dass er für einen Hollywoodstreifen schon den Fuji doubeln durfte. Hat aber niemand gemerkt, außer vielleicht die Japaner. Für die um den Berg lebenden Maori war die Gipfelregion Begräbnisplatz bedeutender Persönlichkeiten und damit tapu. Heute übernachten wir in seinem Windschatten.

Nicht der Fujiama und auch nicht die Kaiser-Wilhelm-Spitze

17.1.2020:
Das war eine sehr schöne Übernachtung! Spitzenplatz mit Aussicht auf die Milchstrasse und den Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre. So intensiv haben wir lange nicht mehr in den Himmel gesehen. Wir kommen erst spät aus den Federn und spätstücken gemütlich, bevor wir uns auf dem Surf Highway an die Umrundung des Mt Taranaki machen. Wir besuchen den Opunake Clifftop Garden, ein wunderschönes, verstecktes Kleinod mit Seaview.

Später statten wir dem Cape Egmont Lighthouse einen Besuch ab. Der in London gebaute Leuchtturm wurde 1865 zum ersten Mal in Betrieb genommen…allerdings nicht hier, sondern auf Mana Island nördlich von Wellington. Dort hat man ihn aber 1877 wieder abgebaut, weil er wohl aufgrund Verwechselungsgefahr einige Unfälle erzeugt hat, und 1881 am Cape Egmont wieder aufgebaut. Der Leuchtturm ist heute noch in Betrieb, inzwischen vollständig automatisiert und computerüberwacht.

Cape Egmont Lighthouse

Wir fahren weiter nach New Plymouth und beziehen Quartier. Hier ist heute Lichterfest. Mal sehen, ob uns heute abend ein so schönes Licht aufgeht wie letzte Nacht.

Der Film, vierter Teil:


18.1.2020: Fahrt durch das Auenland auf dem Forgotten World Highway. So möchte man etwas romantisierend den heutigen Tag beschreiben. Etwas weniger romantisierend könnte man es auch als anstrengende Fahrt über Stock und Stein auf GS-Terrain bezeichnen. Wer hätte auch ahnen können, dass der Highway mit der Nummer 43 zwischen Stratford und Whangamomona seinen Namen redlich verdient hat. Als touristische Route groß ausgeschildert fängt er auch schön und breit an. Dann wird es kurvig. Dann ein kleines bisschen unbefestigt. Wie gut, unser RV (= Rallye Vehicle) ist geländegängig und die Teller und Tassen sicher in den Schränken verstaut. Unterwegs verwöhnen uns herrliche Ausblicke auf eine einmalige Landschaft.

Waituhi Scenic Lookout

Das Wetter hier ist unberechenbar. Ein Regenschauer verursacht einen Temperatursturz, über uns geht die Welt unter. Doch auf der anderen Seite des Waituhi Scenic Lookout ist es wieder warm. Unten am See bei Tokaanu warten heiße Mineralquellen auf uns. 42 Grad Wassertemperatur verursachen entweder ordnungsgemäße Bettschwere oder durch Amöben ausgelöste Meningitis. Die Wahl fällt leicht: Lieber nicht ins Wasser gehen. Für die Bettschwere muss der Cider sorgen.

19.1.2020:
Wir legen einen Geothermietag ein. Entlang des Lake Taupo Richtung Norden, hier fällt uns auf, dass die Schwäne hier schwarz, hübsch und zutraulich sind. Wahrscheinlich sind das gar keine richtigen Schwäne!

Lake Taupo Schwäne

Danach besuchen wir eine Mondlandschaft, die die Ansässigen „Craters of the Moon“ genannt haben. Der Name ist nicht nur leicht übertrieben, sondern schlicht falsch, denn auf dem Mond wachsen gar keine Pflanzen! Wäre Neuseeland von Deutschen annektiert worden, würde diese Sehenswürdigkeit vermutlich „Brennende Lüneburger Heide“ genannt worden sein.

Die beste geothermische Sehenswürdigkeit, die auch ohne Zugabe von Seife ein sehenswertes Ergebnis liefert, ist der Orakei Korako Park, auch genannt „The Hidden Valley“. Hier bekommen wir eine kleine Bootsfahrt zu den Sinterterrassen, Geysiren und Schlammkochtöpfen im Preis inbegriffen. Die Toiletten sind hier so sauber, da könnte sich mancher Campingplatz sicher etwas abgucken.

20.1.2020:
Rotorua ist einer der bedeutendsten Orte auf der Nordinsel, und zumindest für den Tourismus unerlässlich. Überall in der Stadt liegt allerdings ein unangenehmer Schwefelduft von den nahegelegenen Geothermischen Attraktionen in der Luft. Zur Ablenkung kann hier jedweder nur Erdenkliche Freizeit Adventure Bullshit gemacht werden: Freefall Xtreme, Bungy, Jetboat, Shweeb Racer, Freestyle Airbag, Powershopping…..alles ist möglich!

Nicht viel weiter, nahe Matamata, befindet sich der am häufigsten besuchte Touristenhotspot Neuseelands: der Drehort von Herr Der Ringe, auch genannt Hobbiton. Hobbits findet man hier allerdings leider nicht mehr. Die sind zwischenzeitlich alle durch Chinesen ersetzt worden, von denen aber, soweit wir es erkennen können, kein Einziger einen Kontrabass dabei hat. Jährlich etwa 500000 Besucher verzeichnet man hier. Wir rechnen: Bei einem Eintrittspreis von über 80 NZD für einen Erwachsenen kommt man auf einen Umsatz von etwa 40 Mio Dollar jährlich – ein einträgliches Geschäft.

Virtueller Rundgang Hobbiton

Wir fahren weiter Richtung Coromandel Halbinsel und finden einen wunderschönen Platz zum freien Übernachten in Tairua.

21.1.2020:
Es ist nicht unbedingt erstaunlich, dass Tairua Beach bei Surfern und freien Campern sehr beliebt ist. Der Ort bietet die nötige Infrastruktur für Camper, und man darf auch offiziell auf den wenigen gekennzeichneten Plätzen mit seinem „self contained“ Camper gratis dort stehen. Der Strand ist so ziemlich der schönste Strand von Neuseeland, es gibt große und regelmäßige Wellen, und das Ganze ist nur 140km von Auckland entfernt. Ich gehe im Südpazifik baden und lasse mich von den großen Wellen wie in der Waschmaschine umherkegeln. Das macht Spaß und erfrischt! Wegen der starken Sonne trete ich aber bald den Rückzug an. Sonnenbrand führt zu Schlafstörungen, doch ich brauche meinen Schönheitsschlaf.

Tairua Beach

Wir fahren weiter Richtung Auckland und richten uns in Orere Point für 2 Nächte ein.

22.1.2020:
Wäsche waschen, Camper putzen, Füße hochlegen, Enten jagen und das schöne Wetter genießen…das ist Erholung pur!

23.1.2020:
Die letzte große Aufgabe der Neuseelandreise: Die Rückgabe des Wohnmobils. Wir haben diese rollenden 14 Quadratmeter Urlaub in den letzten Wochen schon liebgewonnen. 3869 km haben wir in diesem Raumschiff zurückgelegt, ohne Unfall oder besondere Pannen. Doch Auckland lässt sich besser zu Fuß erkunden, ohne hier noch einen knappen und teuren Parkplatz suchen zu müssen. Die Rückgabe gestaltet sich unproblematisch: Immerhin bekommen die das Fahrzeug sauberer zurück, als wir es bekommen haben. Ein Taxi bringt uns zu unserer wunderbaren, zentral gelegenen Unterkunft mit Aussicht. Morgen liegt noch ein ganzer Tag Auckland vor uns.

Zimmer mit Aussicht

24.1.2020:
Auckland. Auckland. Auckland.

Auckland Skyline vom Mt Victoria / Takaringa

Der Film, letzter Teil:

25.1.2020:
Zeit zum Abschied nehmen. Abschied von Neuseeland. Denn der nächste Teil meiner Reise geht in Australien weiter, das ist der erfreuliche Teil. Doch der unerfreuliche Teil ist, hier von M. Abschied nehmen zu müssen. Sie muss im Büro nach dem Rechten sehen, während ich noch 60 Tage länger auf der südlichen Erdhalbkugel verweilen werde.

Es war eine wunderschöne Reise durch ein wunderschönes Land, eine Insel, die der Aufmerksamkeit der Welt ziemlich lange entgehen konnte. 1642 war der Holländer Abel Tasman ausgerückt, das sagenhafte TERRA AUSTRALIS INCOGNITA zu suchen. Das gelang ihm zwar nicht, aber dafür stieß er auf Tasmanien (er nannte es nach seinem Vorgesetzen bei der Holländischen Ostindiengesellschaft Van Diemen´s Land) sowie die Fidschi-Inseln und auch Neuseeland. Erst 1770 war Lieutenant James Cook an Bord der HMS Endeavour unterwegs und umsegelte Neuseeland. So wurde klar, dass es sich bei Neuseeland um eine Insel, genauer gesagt zwei, handelt, und wodurch er Tasman widerlegte, der dachte, dass es sich um einen Teil des legendären südlichen Kontinents handeln müsse. Seit damals hat sich sicher das Antlitz der Inseln deutlich verändert. Die Menschen haben fast die gesamte Insel „kultiviert“, mit anderen Worten den Wald überwiegend gerodet, stattdessen nicht endemische Pflanzenarten angepflanzt und auch Tiere mitgebracht, die es vorher auf der Insel nicht gab, wodurch bis heute der Bestand an heimischen Tierarten radikal, teils bis auf wenige Exemplare, reduziert wurde. Wenigstens versucht man heute, die verbliebenen Teile der ursprünglichen Natur zu erhalten. Beide Inseln haben eigene Charakteristika, jede hat ihren eigenen Reiz, und auf unserer Reise haben wir viele Facetten davon gesehen. Wir haben mehr Schafe und Kühe als Menschen gesehen, hohe Berge, weiche Hügel, rauhes Meer und laue Flüsse, sowie Erkältungswetter und Sonnenbrandwetter innerhalb weniger Stunden erlebt. Neuseeland ist in seiner konzentrierten Vielfalt vermutlich schwer zu übertreffen. Auch wenn wir in den vergangenen Wochen schon recht viel vom Land gesehen haben, so haben wir vermutlich viel mehr eben nicht gesehen. So oder so: Wir wären gerne noch geblieben.

Veröffentlicht von golem1303

Born to Ride - Forced to Work

11 Kommentare zu „Kiwis auf Rädern

  1. Wie wir alle, habt ihr den Übergang in 2020 auch geschafft, wobei bei euch auf die ruhige Art und Weise in einer schöne Landschaft und weit von der Heimat entfernt.
    Wünsche euch für 2020: Gesundheit, Glück und viel Erfolg! Und jetzt weiterhin schöne erholsame Tage.
    Grüße Bernard

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  2. Wer dich kennt, weiss das dich eigentlich nichts wirklich aus der Ruhe bringt, ausser die Ruhe muss bis 10 Uhr abgeschlossen sein😜😜😜Weiterhin gute Fahrt. Toller Blog. Liebe Grüße, Guido&Evelyn

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  3. So, nun bin ich auch dabei und verfolge Eure/Deine Reise. Sind ja schon tolle Fotos. Wer hat die gemacht? Sehr begabt.Gruß von der Diverti-Front. Hier ist alles ruhig 😀

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  4. Hallöchen in die weite Welt, Klasse Bericht und Klasse Fotos.
    Danke dafür, habe mit Freude jeden Tag reingeguckt und fleißig gelesen, das werdet ihr wohl beide nicht so schnell vergessen.
    Weiter so, habt noch Tolle Tage, und immer daran denken ich verfolge euch bei jedem Schritt.
    Gruß Bernard

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  5. Hallo Ulf,

    wollte ja eigentlich nur mal reinschnuppern und bin dann bis zum (vorläufigen) Schluß dran geblieben. Euer Reisebericht macht ganz schön lange Zähne, amüsant geschrieben und trotzdem informativ! Das Niveau Deiner Filme ist ohnehin top und die Musikauswahl passt hervorragend. Freue mich schon auf die nächsten fünf Monate. Wobei ich zugeben muss, dass der Dir zur Verfügung stehende Zeitrahmen schon ganz schön Neid aufkommen läßt. Es sei Dir gegönnt
    Liebe Grüße, Linus

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